5. Exemplarische
Betrachtung "nachhaltiger"
Projekte
Inzwischen
liegen im Bereich von Wirtschaftsunternehmen einige Beispiele vor, die
sich am Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung orientieren.[190]
Konkrete Projekte, die Unternehmen zur Nachhaltigkeit führen sollen,
werden in der Praxis z.B. durch Modelle einer "Company oriented
Substainability (COSY) verfolgt, in denen u.a. Ökobilanzen und Umweltberichte
Berücksichtigung finden.[191] Dabei sind Konzepte
und Verfahren entwickelt worden, die den Naturverbrauch und die Umweltbelastung
in die Bilanzen der Unternehmen einbeziehen.
Eine
an Nachhaltigkeitskriterien orientierte Wirtschaft ist nur dann zu erreichen,
wenn es gelingt, Güter wesentlich umweltfreundlicher zu gestalten als
bisher und zwar "von der Wiege bis zur Bahre", also von der
Herstellung, im Gebrauch, beim Wieder- und Weiterverwenden, als auch
bei der Entsorgung.[192] Die an einem Standort
vorfindbaren Umwelteinwirkungen und Belastungen (Emissionen, Abfälle,
Ressourcenverbrauch etc.) gewerblicher Produktion sind zunächst zu dokumentieren
und zu bewerten.[193] Dafür wird ein Indikatorensystem
benötigt, um dieses ökologisch- ökonomische Konzept in bestimmten Grenzen
meßbar, kommunizierbar und politisch kontrollierbar zu machen.[194]
Eine solche Anpassung kann von der
Einführung einer Ökobilanz auf Unternehmensebene über die Schaffung
eines neuen Haftungsrechtes bis hin zu einem ökologischen Abgaben- und
Steuersystem reichen.
Das
Konzept der ökologischen Buchhaltung dient als Meßsystem, um die vom
einzelnen Unternehmen ausgehenden Umwelteinwirkungen umfassend, kontinuiertlich
und nach verbindlichen Verfahrensvorschriften zu erfassen. Aufgrund
dieser Werte können Pläne aufgestellt werden, die die notwendigen Investitionen
und Aufwendungen des Unternehmens aufschlüsseln, die zur Vorbeugung
und Beseitigung von Umweltschäden erforderlich sind.[195]
Im
Bereich der Planungs- und Controllinginstrumente von Unternehmen soll
der Aufbau von Umwelt- Informationssystemen vorangetrieben werden, bei
dem mit Hilfe eines Monitoring ausgewählte Umweltindikatoren bestimmt
werden können.[196]
Umweltverträglichkeitsprüfungen
(UVP) dienen bereits im Vorfeld einer Produktion zur Überwachung ökologischer
Konsequenzen von Investionsprojekten, etwa beim Straßenbau oder der
Kraftwerkserrichtung.[197]
Technikfolgenabschätzung
(TA) kann künftige Risiken im Zusammenhang mit neuen Technologien, Verfahren
und Produkten ermitteln. Diese Instrumente sind jedoch unbrauchbar,
sofern dieses ökologische Rechensystenm auf dem Markt keine Steuerungsfunktion
erlangt und Unternehmen, die Umweltschutzmaßnahmen durchführen, nicht
angemessen belohnt werden. Die Erfassung ökologisch relevanter Informationen
nach den vorgestellten Mustern sollte für die Bereiche Rohstoff- und
Energiegewinnung, Produktion, Transport und Lagerung, Konsum und Entsorgung
erfolgen, um einen sparsamen Umgang mit Ressourcen zu ermöglichen.[198]
Die konkrete Planung nachhaltiger
Ziele auf regionaler Ebene ist u.a. in Oberösterreich initiert worden.
Innerhalb interdisziplinärer Arbeitsgruppen wurden Konzepte entwickelt,
aus denen sich Maßnahmen zum Schutz der natürlichen Umwelt, Sicherung
der menschlichen Gesundheit, Förderung des umweltgerechten Verhaltens
und zum Aufbau einer zukunftsverträglichen Wirtschaft ergeben haben.
Das Controlling-Instrument soll hierbei alle umweltrelevanten Ressorts
erfassen:
"Ein
"Nachhaltigkeitsinformationssystem" aus natur-, gesundheits-,
gesellschafts-, und wirtschaftsbezogenen Indikatoren soll eine jährliche
Beurteilung ermöglichen, ob bzw. in welchen Bereichen die Entwicklung
in der Region im Sinne des Nachhaltigkeitsprinzip erfolgt ist."[199]
Ein weiteres positives
Beispiel wird durch den "Aktionsplan für eine nachhaltige Entwicklung
der Niederlande" dokumentiert. Mitglieder des niederländischen
Umweltschutzverbandes "Milieudefensie" (Umweltschutz) haben
einen Plan entwickelt, mit dem errechnet werden soll, wie hoch der tolerable
Pro-Kopf-Ressourcenverbrauch im Jahr ausfallen darf, damit eine gerechte
Verteilung der Ressourcen zwischen den Industrie- und Entwicklungsländern
gewährleistet ist. Aus diesen Berechnungen hat sich ergeben, daß der
Konsum von Lebensmitteln und das Reiseverhalten mit Kraftfahrzeugen
in den Industrieländern erheblich einzuschränken ist. Zugleich wird
mit dem Aktionsplan versucht, dem Postulat einer ökonomischen Prosperität
gerecht zu werden, um neben Umweltbelangen auch wirtschaftliche Interessen
zu berücksichtigen.[200]
In Deutschland befinden sich die
Bemühungen um eine nachhaltige Entwicklung auf der Ebene der Bestandsaufnahme.
Eine vom BUND und MISEROR beim Wuppertaler Institut in Auftrag gegebene
Studie soll herausfinden,
"[...]
welche Anteile an den verfügbaren Ressourcen einem Land tatsächlich
zustünden, wenn man von dem Grundsatz ausgeht, daß alle Menschen
heute und auch die zukünftigen Generationen über prinzipiell gleiche
Lebenschancen verfügen sollen."[201]
Darüber hinaus sollen empirische
Untersuchungen klären, welcher Konsum in der Bundesrepublik toleriert
werden kann, um dem Postulat eine global ausgerichteten gerechte Verteilung
von Energie und Stoffverbräuchen nachzukommen, sofern man Kriterien
einer intergenerativen Gerechtigkeit und Umweltverträglichkeit voraussetzt.
190 vgl.
z.B. Winter 19935
191 vgl.
Schneidewind 1994
192 vgl.
Schmidt-Bleek 1994, S. 2
193 vgl.
Karl 1992, S. 557
194 vgl.
Leipert 1990, S. 43
195 vgl.
Beschorer 1992, S. 66ff
196 vgl.
Ebert/Steinhübel 1992, S. 82ff
197 vgl.
Bechmann/Baldauf 1992, S. 104ff
198 vgl.
Dyllik 1989, S. 20
199 Kanatschig/Schachtner
1994, S. 267
200 vgl.
Kluge/Schramm 1994, S. 36ff
201 Endrukatis-Tschudi/Hermle
1994, S. 35