3.5 Einstellungsebene
Immler
fordert aufgrund der ökologischen Probleme ein ökonomisches Umdenken
auf der Einstellungsebene. Für ihn ist wirtschaftliches Wachstum inakzeptabel,
sofern es den Faktor "Natur" als Bewertungsgröße ausschließt.
Er kritisiert, daß der Produktionsfaktor Natur ökonomisch als "Abbruchfaktor"
behandelt wird.[83]
Das Prinzip der Nachhaltigkeit verlangt hingegen, daß die Natur als
"Produktionsstätte allen Reichtums" anerkannt wird.[84]
Obwohl
mir diese These sehr weitgehend erscheint, sind solche Postulate u.U.
hilfreich, um den Wert der natürlichen Umwelt insgesamt stärker ins
Bewußsein zu rücken. Solche Ansprüche können motivierend dazu beitragen,
um die Endlichkeit von Naturgütern zu begreifen und umweltgerechte Handlungskonzepte
zu entwickeln. Clark betont die Dringlichkeit der Handlungsnotwenigkeiten
und konstatiert:
"The
most important requirement may be understanding: understanding,
that the earth is finite and depletable; understanding that everyday
economic incentives are in many ways aligned against sustainability;
understanding that poverty is incompatible with sustainable development;
and most important, understanding, that we may not have much time
to solve these problems."[85]
Dabei reicht es nicht
aus, Veränderungen in Detailbereichen vorzunehmen. Gefordert ist ein
gesamtgesellschaftliches Konzept, das den Vernetzungsgrad ökologischer
Probleme erkennt und ökonomische, ökologische sowie soziale Entwicklungskomponenten
einschließt.[86]
"Die
klassischen Rationalitätskriterien der Produktion und Rentabilität
(sogenannte "harte" Kriterien) müssen mit den gesellschaftlich-
politischen Rationalitätskriterien der Umwelt- und Sozialverträglichkeit
(sog. "weiche" Kriterien) vermittelt werden, und zwar
dergestalt, daß die Umwelt- und Sozialverträglichkeit die höherrangierenden
Normen darstellen (Primat der Politik gegenüber der Ökonomie bzw.
der gesellschaftlichen Rationalität gegenüber der technischen Rationalität)."[87]
83 vgl.
Immler 1992, S. 17f
84 vgl.
Immler 1990, S. 17
85 Clark
1991, S. 326
86 vgl.
Kanatschig/Schachtner 1994, S. 264, Rat von Sachverständigen
für Umweltfragen 1994 (Hg.), S.45
87 Weinbrenner
1989, S. 355
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