3.3 Der Brundtland-Report
und das Abkommen von Rio
Im Jahr 1987 legte die "Weltkommisson für Umwelt
und Entwicklung" den Brundtland- Report "Our Common Future"
vor. Der Bericht trägt den Namen der norwegischen Ministerpräsidentin
Gro Harlem Brundtland, die den Kommisionsvorsitz übernommen hatte.
Die Brundtland-Kommission
nahm die aus der Forstwirtschaft stammende Idee der Nachhaltigkeit auf
und versuchte sie auf den globalen Entwicklungszusammenhang hin zu übertragen.
Die grundlegende Definition im entsprechenden Bericht lautet:
"Dauerhafte
Entwicklung ist eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart
befriedigt, ohne zu riskieren, daß künftige Generationen ihre eigenen
Bedürfnisse nicht befriedigen dürfen."[53]
Diese Formulierung
blieb nicht ohne Kritik. Bemägelt wird u.a., daß hier weder zwischen
den Bedürfnissen in der Ersten und Dritten Welt unterschieden wird,
noch zwischen menschlichen Lebensnotwendigkeiten und dem Konsumverhalten,
das im wesentlichen auf das Verbrauchsverhalten in der Ersten Welt ausgerichtet
ist.[54]
Die strategischen Notwendigkeiten
gemäß der Idee einer dauerhaften Entwicklungs- und Umweltpolitik faßt
der Brundtland-Bericht wie folgt zusammen:
- Belebung des
Wachstums
- Veränderung der Wachstumsqualität
- Befriedigung der Grundbedürfnisse nach Arbeit,
Nahrung, Energie,
Wasser und Hygiene
- Sicherung dauerhafter Bevölkerungszahlen
- Erhaltung und Stärkung der Ressourcenbasis
- Neuorientierung von Technologie und Handhabung
von Risiken
- Verbindung von Umwelt und Wirtschaft in
Entscheidungsprozessen.[55]
Das primäre Anliegen
einer so verstandenen nachhaltigen Entwicklung liegt in der Befriedigung
menschlicher Bedürfnisse. Klar strukturierte Ziele, so die Kritik von
Minsch, liegen dem Bericht hingegen nicht zugrunde. Das Anliegen der
Brundtland-Kommission bestand weniger in einer wissenschaftlichen Fundierung
einer globalen Umwelt- und Entwicklungspolitik, sondern in der Mobilisierung
und Kanalisierung in Richtung eines ökologisch nachhaltigen Wirtschaftens
auf globaler Ebene.[56]
Die Konferenz der Vereinten Nationen
für Umwelt und Entwicklung 1992 brachte eine Fortsetzung und Vertiefung
des im Brundtlandberichtes eingeschlagenden Kurses. Am Erdgipfel im
Juni 1992 in Rio de Janeiro in Brasilien nahmen Regierungsvertreter
aus 179 Ländern teil. Es erfolge eine Verabschiedung zweier Konventionen.
Als Ziel wurde die Aufrechterhaltung der biologischen Vielfalt angestrebt;
konkret wurde eine Reduzierung von Treibgasen beschlossen. Die Aufgabe
der Konferenz bestand darin, Grundlagen für eine nachhaltige Entwicklung
für das 21. Jahrhundert und die weitere Zukunft zu erarbeiten. Innerhalb
der "Agenda 21" wird die These vertreten, daß Bevölkerung,
Konsum und Technologie primär als Auslöser von Umweltproblemen zu verstehen
sind. Es wird davon ausgegangen, daß Fortschritt nur mit Umweltschutz
möglich ist. Im folgenden werden stichwortartig einige Forderungen und
Ziele aufgezeigt:
- Beachtung des
Verursacherprinzips
- Länderübergreifende Kooperation im Umweltbereich
- Partizipation der betroffenen Bürger bei
Umweltfragen
- Kampf gegen Armut
- Ressourcenschutz
- intra- und intergenerative Gerechtigkeit
[57]
Um diesen Ansprüchen gerecht zu
werden, sind konkrete internationale Maßnahmen für alle umweltrelevanten
Bereiche vorgestellt worden, die den Abbau der Probleme vorantreiben
sollen. Im folgenden werden einige Forderungen aufgezeigt.
53 Hauff
(Hg.) 1987, S. 46
54 vgl. Ekins
1994, S. 153
55 Hauff
(Hg.) 1987, S. 52f
56 vgl.
Minsch 1993, S. 13
57 vgl.
Keating 1993, S viiif