2. Problembeschreibung: Die ökologische Krise

Daß die übermäßige Nutzung von Ressourcen in den Industrieländern auf Kosten der Bevölkerung in der Dritten Welt und zukünftigen Generationen vonstatten geht, ist unstrittig. Es hat sich herausgestellt, daß die vorherrschenden Produktions- und Konsummuster der Industrieregionen aus ökologischer Sicht fatale Konsequenzen nach sich gezogen haben. Inzwischen ist eine weltweite ökologische und soziale Krise zu beklagen, deren Problemfelder im folgenden kurz skizziert werden.


2.1 Bevölkerungswachstum

Während die Geburtenrate in den Industrieländern stagniert bzw. zurückgeht, steigt die Bevölkerung in der Dritten Welt massiv an. In den letzten beiden Jahrzehnten ist ein Anstieg der Weltbevölkerung um 1,6 Milliarden Menschen zu verzeichnen; das sind mehr Bewohner als insgesamt vor 90 Jahren auf unserem Planeten lebten.[6] Die Zahl der Bewohner auf der Erde hat sich seit 1950 von 2,5 Milliarden Menschen bis heute mehr als verdoppelt.[7] Aufgrund dieser Entwicklung ergeben sich Verteilungsprobleme; Armut und Hunger in der Dritten Welt nehmen zu.


2.2 Globale Veränderungen der Erde

Bei der tropischen Waldfläche ist jährlich ein Schwund von 11 Milliarden Hektar pro Jahr zu verzeichnen, der primär durch Luftverschmutzung, Abholzung und "sauren" Regen verursacht ist.[8] Nach einer Studie des Worldwatch Institute werden jährlich rund 11,4 Millionen Hektar Tropenholz abgeholzt, wobei nur etwa 10% durch Wiederaufforstungsmaßnahmen wiederhergestellt wird.[9] Weltweit liegt der Bestand an Forstbrachen bei 5 Mill. Quadratkilometer, wobei diese Fläche, die der Größenordnung Europas entspricht, unwiederbringlich versteppt ist.[10] Der Waldbestand unseres Planeten nimmt pro Sekunde um ca. 3000 m2 ab. Pro Jahr entspricht dieser Schwund etwa dreimal der Fläche in der Größenordnung der Schweiz.[11] Allein in der Bundesrepublik sind mehr als die Hälfte aller Baumarten geschädigt.[12]
      In Hinblick auf die fruchtbaren Schichten landwirtschaftlicher Flächen gehen jährlich weit mehr Tonnen verloren, als neu gebildet werden. Gründe dieser Entwicklungen liegen u.a in der Versumpfung und Versalzung, Bodenerosion und Urbanisation (Siedlungsflächen und Straßenausbau). Durch Agrochemikalien wird der Boden zusätzlich verunreinigt. Pflanzenschutzmittel gelangen in den Nahrungskreislauf und sind in einer Reihe von Lebensmitteln nachzuweisen.[13]
      Der Anstieg der Schadstoffe innerhalb der Gewässer nimmt aufgrund häuslicher und industrieller Abwässer zu, da sie mit Fäkalien, Produktionsrückständen und anderen Schadstoffen belastet sind.[14] Die Verschmutzung der Meere und Küstengewässer erfolgt außerdem durch die Abfallbeseitigung auf hoher See und Tankerunfälle. Durch die Verunreinigungen nimmt der Sauerstoffgehalt ab, wodurch der Fischbestand dezimiert wird.
      In den Ländern China, Afrika, Indien und Nordamerika fällt der unterirdische Wasserspiegel; inzwischen übersteigt der Bedarf den Vorrat an Trinkwasser.[15] Bis zum Jahr 2000 werden zunehmende Wasserknappheiten prognostiziert.[16]
      Die großräumige Luftverschmutzung durch Schadstoffe führt neben der Zerstörung von Bauwerken zu Klimaveränderungen, sowie Gefährdungen von Tieren, Pflanzen und Menschen. Die Probleme resultieren u.a aus der Verfeuerung fossiler Brennstoffe. Die Verursacher der verschiedenen Emissionen liegen primär im Bereich der Kraftwerke, Industrie, Haushalte und Verkehr. Die höchsten Immissionen treten in den großstädtischen Ballungsräumen, sowie den Industrieregionen auf.[17]
      Die weltweite Klimaveränderung resultiert u.a. aus der Verbrennung fossiler Energieträger und den dadurch entstehenden klimawirksamen Stoffen CO2, Methan und Distickstoff, die in die Atmosphäre gelangen. Durch das Zusammenwirken mit den Emissionen anderer chemischer Substanzen, z.B. FCKW, verändert sich die Gaszusammensetzung der Atmosphäre; es kommt zu einer Aufheizung der Luft, die zu dem sogenannten "Treibhauseffekt" führt, wodurch wiederum eine Erwärmung der Erdoberfläche erfolgt. Die Ozonschicht in der Atmosphäre wird zunehmend dünner.[18]
      Die übermäßige Ressourcennutzung hat dazu geführt, daß die natürlich verfügbaren Ressourcen innerhalb von ein bis zwei Generationen abgebaut werden, sofern die Abbaurate im bisherigen Maßstab anhält.[19] Der Abbau von Rohstoffen hat die Selbstreinigungs- und Regulierungskräfte der natürlichen Umwelt bei weitem überschritten.
      Das Müllvolumen in den Industrieländern nimmt jährlich zu. Die natürliche Umwelt wird als Deponie für die Abfallmengen aus Haushalten und der Industrie genutzt. Bei der Müllverbrennung entstehen erhebliche Mengen an flüssigen Abfällen, etwa Schwermetalle und Dioxine, die als Sondermüll eingestuft werden müssen.
[20]
      Jedes Jahr sterben mehrere tausend Pflanzen und Tierarten aus; in den nächsten 20 Jahren kann ein Viertel aller Tierarten ausgelöscht sein.[21] Dem Zehn-Jahresbericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen zufolge sind weltweit rund 25.000 Pflanzen- und mehr als 1.000 Tierarten vom Aussterben bedroht.[22] In der Bundesrepublik sind rund 50% aller Tierarten und 30% aller einheimischen Pflanzenarten ausgestorben oder vom Aussterben bedroht.
      Eine Untersuchung des Münchner Instituts für Energieverbrauch kommt zu dem Ergebnis, daß die weltweite Energienutzung in den letzten Jahrhunderten erheblich angestiegen ist. Während der Verbrauch der Weltbevölkerung um 1650 bei ca. 100 Millionen Tonnen Steinkohleeinheiten (SKE) lag, umfaßte der Anteil 100 Jahre später die doppelte Menge, um 1850 war der Verbrauch auf 500 Millionen Tonnen angestiegen. Danach wurde die Verbrauchsrate in immer kürzeren Abständen verdoppelt, was auch dem rapiden Anstieg der Weltbevölkerung zuzuschreiben ist. Inzwischen verdoppelt sich der Energieverbrauch auf der Erde in weniger als 20 Jahren. Die Verteilung der Energiereserven fällt weltweit höchst unterschiedlich aus. Durchschnittlich verbraucht jedes Mitglied unseres Planeten heute rund 2 Tonnen SKE jährlich. Während der Anteil bei den US-Amerikanern bei etwa 11 Tonnen SKE liegt, verbraucht der Bundesbürger rund 6 Tonnen pro Jahr. Ein Bewohner in der Dritten Welt muß sich hingegen mit einer halben Tonne SKE jährlich begnügen. Während die Industrieländer rund 80% aller Energieträger beanspruchen, liegt die Rate in den übrigen Staaten bei rund 20%, wobei der Bevölkerungsanteil genau umgekehrt proportioniert ist.
[23]

Viele der durch menschliche Eingriffe resultierenden Schäden in den Naturhaushalt sind irreversibel und können die Lebensqualität gegenwärtiger und nachfolgender Generationen negativ tangieren. Dazu gehören das Baum- und Artensterben, die Verödung oder Vergiftung des Bodens, Grundwasserabsenkungen, die ungeklärte Endlagerungsfrage nuklearer Abfallprodukte, gentechnische Artenproduktionen, die Nutzung nicht erneuerbarer Ressourcen, Zerstörung von Landschaften, Klimaveränderungen u.v.m.[24]
      Die Irreversibiltät kann schließlich zu einem Wegfall ökologischer Funktionen führen.[25]

Um eine höhere Sensibilität für die ökologischen und daraus resultierenden sozialen Probleme zu erreichen, soll die aus der Forstwirtschaft übernommene Maxime der Nachhaltigkeit das ökologische Bewußtsein stärken und zu effektiven Handlungskonzepten auffordern.


6 vgl. Worldwatch Institute Report 1991, S. 10
7 vgl. Steger 1988, S. 22
8 vgl. Brown/Flavin 1988, S. 16
9 vgl. Simonis 19902, S. 18
10 vgl. Schönwiese/Diekmann 1991, S. 84f
11 vgl. von Weizsäcker 1990, S. 5
12 vgl. Walletschek/Graw 19902, S. 53
13 vgl. ebd., S. 51
14 vgl. Hopfenbeck 1989, S. 862
15 vgl. Brown/Flavin 1988, S. 16
16 vgl. Walletschek/Graw 19902, S. 48
17 vgl. ebd., S. 47f
18 vgl. Schönwiese/Diekmann 1991
19 vgl. Summerer 1989, S. 97
20 vgl. Grießhammer 1990, S. 70
21 vgl. Brown/Flavin 1988, S. 16
22 vgl. Simonis 19902, S. 18
23 vgl. Bauernschmidt 1990, S. 41f
24 vgl. Leist 1991, S. 323
25 vgl. Brenck 1992, S. 392

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